Die Entwicklung der Kardiotechnik in Österreich ist eng mit den Fortschritten der Herzchirurgie und der extrakorporalen Kreislaufunterstützung verbunden. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich das Fachgebiet kontinuierlich weiterentwickelt und ist heute ein unverzichtbarer Bestandteil der modernen Herz-, Thorax- und Gefäßmedizin.
Ein entscheidender Meilenstein war die Einführung der Herz-Lungen-Maschine in den 1950er- und 1960er-Jahren. Mit ihr wurden erstmals komplexe herzchirurgische Eingriffe unter kontrollierten Bedingungen möglich. In Österreich führten universitäre Zentren diese neue Technologie schrittweise ein und legten damit den Grundstein für die Entstehung eines spezialisierten technischen Berufsbildes.
In den folgenden Jahrzehnten nahm die Bedeutung der Kardiotechnik stetig zu. Die zunehmende Komplexität der Herzchirurgie, verbesserte Perfusionsverfahren sowie die Einführung moderner Materialien und Sicherheitssysteme erforderten speziell ausgebildetes Fachpersonal. Aus der anfänglich technisch geprägten Tätigkeit entwickelte sich ein hochqualifizierter medizinisch-technischer Beruf mit großer klinischer Verantwortung.
Ab den 1990er-Jahren erweiterten mechanische Kreislaufunterstützungssysteme wie intraaortale Ballonpumpen, extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) und ventrikuläre Assistenzsysteme (VAD) das Tätigkeitsfeld der Kardiotechniker:innen erheblich. Diese Systeme werden seither nicht nur im Operationssaal, sondern zunehmend auch auf Intensivstationen und in der Langzeittherapie eingesetzt.
Parallel zur technischen Entwicklung erfolgte die strukturelle und rechtliche Etablierung des Berufsbildes in Österreich. Standardisierte Aus- und Weiterbildungsmodelle, nationale Qualitätsstandards sowie die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Medizin, Pflege und anderen Gesundheitsberufen stärkten die Professionalisierung des Fachs.
Die Österreichische Gesellschaft für Kardiotechnik wurde gegründet, um den fachlichen Austausch zu fördern, die Qualität kardiotechnischer Leistungen weiterzuentwickeln und die Interessen des Berufsstandes zu vertreten. Sie begleitet die kontinuierliche Weiterentwicklung des Fachgebiets und trägt zur Sicherstellung hoher Versorgungsqualität in der österreichischen Herzmedizin bei.
Heute steht die Kardiotechnik in Österreich für höchste technische Kompetenz, klinische Verantwortung und patientenzentrierte Versorgung. Mit Blick auf zukünftige Innovationen – etwa in der minimalinvasiven Herzchirurgie, der Langzeitunterstützungssysteme und der Digitalisierung – bleibt das Fach ein dynamischer und zentraler Bestandteil der modernen Medizin.
Dr. Clarence Dennis und sein Team führte am 5. April 1951 an der Universitätsklinik von Minnesota die erste bekannte Operation am offenen Herzen durch, und setzte dabei eine mechanische Unterstützung von Herz und Lunge ein. Der Patient überlebte die Operation an einem komplexen congenitalen Herzdefekt leider nicht.Daraufhin folgten vier Jahre lang Laborexperimente mit Hunden. Die erste erfolgreiche Operation am offenen Herzen mit einer Herzlungenmaschine wurde von John Gibbon am 6. Mai 1953 in der Thomas Jefferson Universitätsklinik in Philadelphia durchgeführt. Er korrigierte einen Vorhofseptumdefekt an einer 18-jährigen jungen Frau.Die ersten Konzepte zu einem Oxygenator stammen aus dem 17. Jahrhundert von Robert Hooke und wurden durch französische und deutsche Forscher im 19. Jahrhundert umgesetzt.Die sog. „Bubble Oxygenatoren“ hatten einen direkten Luft-Blutkontakt. Hier strömte Luft durch ein Reservoir, das mit Blut gefüllt war. Membranoxygenatoren hingegen hatten eine gasdurchlässige Membran zwischen Blut und Gasgemisch, was die Blutschädigung reduzierte.

Herz-Lungen-Maschine (Bundesarchiv_Bild Nr.183-1986-0507-302,Bad_Berka,Herzklinik)
